„Er führt mich hinaus ins Weite,
er befreite mich, denn er hat an mir Gefallen.
(Psalm 18,20)
 
 
friedhofskreuz salzkotten
 
 
 
  Am 19. Januar 2020 wurde in Salzkotten
unsere liebe Mitschwester
 
 
Schwester M. Ambrosia
 
von der heiligen Dreifaltigkeit
geb. Elisabeth Karoline Irmgard Kremers
 
geboren am 24. November 1929
                                  heimgerufen in das ewige Leben.
 
 
 
 
Zum Heimgang von Schw. M. Ambrosia Kremers
 

„Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.“ Psalm 18,20

SR Ambrosia deAm frühen Sonntagabend wurde Schw. M. Ambrosia von ihrem langjährigen, wirklich schweren Leiden befreit und von Gott in die Freiheit, hinaus ins Weite, in ihre Lebensfülle geführt. Das glauben wir, davon sind wir überzeugt. Dieser Vers aus dem Psalm 18 kam uns in den Sinn angesichts ihres zunehmend enger werdenden Radius, den ihr ihr Körper vorgab, von dem sie sich geistig nicht einschränken ließ. So manches Mal nahmen wir das staunend war, wie sehr sie sich trotz dieser heftigen leibhaftigen Einschränkungen für das Leben rundum offen hielt und sehr interessierte. Sie konnte sehr wach zuhören, fragte interessiert nach, nahm an unserem spirituellen Leben teil so gut es ihr möglich war. Ihr Geist, ihre Seele blieben frei. Und sie nahm den enger werdenden Radius gläubig an. In einem Gespräch zuletzt erwähnte sie diesen inneren Kampf zwischen ihr und Gott, der für manches stehen mag: „Gott, was willst du mir denn noch nehmen, was kann ich dir noch geben? Und ich wachte auf und das linke Auge war blind.“ Sie wollte und konnte nicht glauben, dass ihre Krankheit schon so weit fortgeschritten war, sie wollte noch nicht sterben, ihr Geist war zu rege, zu wach, zu interessiert an allem in Kirche und Welt, und an allem, was sich in unserer Gemeinschaft entwickelte.

Ganz wichtig waren ihr Beziehungen, Freundschaften, ihre Familie. Wie sehr hat sie ihre Familie im November zu ihrem 90. Geburtstag erwartet und sich zutiefst gefreut, all ihre Kraft hierfür gebündelt.

Ihre Beziehung zu ihrer jüngeren Schwester Gisela war besonders und innig. Als sie sich zuletzt mit ihr telefonisch nicht mehr austauschen konnte, entdeckten beide den Wert eines Briefes neu. Noch am Donnerstag hatte sie mit großer Freude diesen Brief ihrer Schwester erwartet und als sie ihn endlich in Händen hielt, mit letzter Kraft sofort zurückgeschrieben. Man kann es kaum glauben, aber das hat sie geschafft. Dieser so wertvolle Kartengruß erreichte die Schwester allerdings erst nach ihrem Tod. Das war Schw. M. Ambrosia. Ihr letzter Ausflug in dieser Woche führte zur Anbetung und zu der dort aufgestellten Krippe aus den Gründungszeiten. Dieser letzte Besuch bei der Anbetung war ihr sehr kostbar und wohl auch im Innersten ein bewusster Abschied. Sie strahlte zutiefst, wenn sie darauf zu sprechen kam.

Zehn Jahre lebte Schw. M. Ambrosia in St. Clara und dabei viele Jahre intensiv auf Pflege angewiesen. Dankbar nahm sie jegliche Unterstützung an, dankbar sind wir Mitschwestern für die liebevolle, kompetente und geduldige Pflege unserer Mitarbeiterinnen.

Schw. M. Ambrosia wurde am 24. November 1929 in Köln als drittes Kind der Eheleute Josef Kremers und Elisabeth, geb. Stehmann, geboren und erhielt den Namen Karola. Im Kreis ihrer beiden älteren Brüder und ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester Gisela, verlebte sie eine recht frohe Kinderzeit, schreibt sie in ihrem Lebenslauf. Und das, obwohl ihr Vater als Stadtobersekretär des Öfteren versetzt wurde und die Familie in ihren ersten Lebensjahren mehrere Orts- und damit die Kinder auch Schulwechsel hinnehmen mussten, zuletzt in das weit entfernte Braunschweig, wo sich ihre Mutter schwer einleben konnte. Sie besuchte die Volks- und Mittelschule und schloss diese im März 1947 trotz der Kriegsjahre mit Evakuierung, viel Unterrichtsausfall, mit guten Noten ab. Es folgte auf Anraten und Vermittlung ihrer Tante, Schw. M. Heimerada, ein Hauswirtschaftsjahr im Marienkrankenhaus Letmathe, um sich für eine weitere Berufsausbildung vorzubereiten. Schon drei Jahre zuvor reifte in ihr der Wunsch, selbst in den Orden einzutreten. Sie bat um die Aufnahme in unsere Gemeinschaft. Da jedoch ihre Mutter erkrankte, musste sie zunächst ein weiteres Jahr in der Familie bleiben. Am 25. August 1949 trat sie in unsere Gemeinschaft ein und wurde am 19. Mai 1950 in das Noviziat aufgenommen. Sie erhielt den Ordensnamen Schw. M. Ambrosia und den Titel „von der hl. Dreifaltigkeit“. Am 19. Mai 1952 legte sie die zeitliche, am 19. Mai 1955 die Ewige Profess ab.

Schon nach ihrem ersten Noviziatsjahr kam Schw. M. Ambrosia nach Paderborn, um auf dem Pelizaeus Gymnasium das Abitur zu erreichen. Anschließend folgte das pädagogische Studium für das Lehramt an der Kath. Akademie Paderborn. In dieser Studienzeit wohnte sie im Liboriushaus und war dort in der Kommunität integriert. Im April 1956 legte sie ihre erste Lehrerprüfung ab und erhielt zugleich ihre vorläufige Beamtung als Volksschullehrerin. Im Oktober 1958 folgte die zweite Lehrerprüfung und ihre Beamtung auf Lebenszeit. Zugleich wird ihr von der Diözese die Missio Canonica verliehen, die sie befähigt, Religionsunterricht zu erteilen. Von 1956 bis 1971 ist sie als Lehrerin in Bigge in der Schule des Josefsheim tätig, eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit körperlicher Behinderung. Aufgrund ihrer Tätigkeit an dieser Sonderschule absolviert sie wenig später am heilpädagogischen Institut Dortmund diese Zusatzausbildung, die sie 1963 mit der staatlichen Prüfung abschließt. Mit Freude hat sie dort gelebt und gewirkt, sich für ihre Schutzbefohlenen eingesetzt, ihren Lehrerberuf geliebt.

1971 wurde sie nach Arnoldsweiler an die Frauen-Fachschule unserer Gemeinschaft versetzt, wo sie bis 1976 unterrichtete, vorwiegend als Englischlehrerin.

In Maria Veen, wieder eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung, wurde Schw. M. Ambrosia 1977 als Oberin der Schwesternkommunität eingesetzt, bis das Generalkapitel, im März 1979 sie in den Generalrat wählte und ihr die Aufgabe der Generalassistentin übertrug. Vier Jahre diente sie der internationalen Gemeinschaft auf vielfältige Weise. Schon in den Jahren nach dem zweiten Vatikanum, Anfang 1970, wo alle Orden aufgefordert waren ihre Statuten und Konstitutionen zu überarbeiten, hatte sich Schw. M. Ambrosia in der Erstellung dieser Dokumente in einer kleinen Arbeitsgruppe sehr verdient gemacht. In Rom, in der Aufgabe als Generalassistentin erkrankte Schw. M. Ambrosia schwer und kehrte aufgrund dessen 1983 nach Deutschland zurück.

Ab 1984 arbeitete sie zunächst in der Mütterbetreuung in Bad Sassendorf, dann als Oberin in der Altenpflegeeinrichtung Clara Pfänder Haus in Salzkotten. In dieser Zeit absolvierte sie berufsbegleitend die Weiterbildung zur Heimleiterin in der Altenhilfe. Später wirkte sie u.a. im Marienkrankenhaus Bad Lippspringe und in der Altenpflegeeinrichtung Liboriushaus Paderborn, ab 2000 arbeitete sie 10 Jahre im Archiv des Mutterhauses und baute dieses weiter auf, bis sie 2010 krankheitsbedingt nach St. Clara wechselte. Viele Jahre wirkte Schw. M. Ambrosia in der Geschichtskommission unserer internationalen Gemeinschaft mit. Diese hatte den Auftrag, die Chronik unserer Gemeinschaft und der Kommunitäten zu erforschen und eine erste zusammenhängende Geschichtsschreibung zu erstellen. Zusammen mit einer Mitschwester widmete sie sich dieser mühevollen Arbeit für die deutsche Provinz.

Dankbar schauen wir auf ihr Leben und diese Lebensfülle zurück. Dankbar für ihre Berufung, für ihr tätiges aktives Leben, dankbar für ihr Lebensbeispiel in schwerer Krankheit, scheinbarer äußerer Passivität, dankbar für ihre Seelenstärke, für ihren unerschütterlichen Glauben, der sie auch durch ihre Krankheit trug, froh und frei sein ließ. 

Danken wir Gott in dieser Eucharistiefeier für Schw. M. Ambrosia und für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sie und andere alte und kranke Menschen mit großer Geduld und Liebe pflegen und ganzheitlich unterstützen. Sie alle haben daran mitgewirkt, was in Schw. M. Ambrosia reifen konnte:

„… dass Er sie hinausführte ins Weite, sie befreite, denn er hatte an ihr Gefallen.“ Vgl. Psalm 18,20

Schw. M. Angela Benoit