Unser Weg der Hingabe seit der Gründung am 30. Oktober 1860

Heute ist für uns Schwestern ein ganz besonderer Tag. Vor mehr als 150 Jahren wurde offiziell unsere Gemeinschaft gegründet, und unsere Gründungskonstitutionen approbiert. Daher möchte ich Sie heute ein wenig in unsere klösterliche Welt mitnehmen. Worum geht es eigentlich in diesem Leben, das Gott geweiht ist? Und wie nimmt so eine gemeinsame Sache ihren Anfang?

erffnungsfeier usa 2009

Die Basis unserer Lebensform ist und bleibt wie für jeden Christen das Evangelium, von dem wir angesprochen wurden, und das wir in unser Leben übersetzen wollen. Der Hl. Franziskus, nach dem unsere Gemeinschaft benannt ist, war von einigen Abschnitten des Evangeliums so sehr berührt, das er sich sofort auf den Weg machte. Er verließ sein Leben als reicher Kaufmannssohn und wählte eine schlichte Lebensform, die immer Gott und die von Gott geliebten Armen im Blick hat und ihnen dient. Unsere Gründerin nun Mutter M. Clara Pfänder fühlte tief in ihrem Herzen die einladende Stimme Gottes, die sie aufforderte, alles Vertraute und Liebe zurückzulassen und sich gemeinsam mit anderen Frauen ganz Gott und der Bedürftigen zu widmen. Was Franziskus schon konkret aus dem Evangelium in seine Regel nahm, schnitt Mutter M. Clara in den Weisungen/ Gründungskonstitutionen exakt für uns zu. Drei Säulen tragen unser Leben: Das Gebet, die Gemeinschaft der Schwestern und unser Dienst an den bedürftigen Menschen. Mutter M. Clara geht auf diese drei Elemente ein, füllt sie von innen her und gibt ihnen eine konkrete Form.

Jede Schwester allein und miteinander wenden sich im Gebet an Gott. Sie versuchen, Gott und seinen Willen immer tiefer zu erkennen. Sie blicken dankbar auf alles, was von Gott jeder einzelnen und der Gemeinschaft geschenkt ist – das Gute; das, was zum Wachsen und Reifen weiterhilft; auch das Teilnehmen am Leiden für das Heilwerden der Menschen. Jede Schwester versucht Ja zu sagen zum Weg Gottes mit ihr ganz persönlich. Aber wir bleiben, wie alle Menschen auch schwach und im Glauben, wie jeder von ihnen, angefochten.

Wenn wir vom Gebet kommen, das uns neu Orientierung gegeben hat, wenden wir uns den Menschen zu, und nach unseren Erfahrungen mit den Menschen kehren wir mit allem zu Gott zurück.

Mutter M. Clara sagt uns: „Helft euch gegenseitig in der Liebe!“ Die Liebe ist uns aufgetragen. Um auf diesem Weg zu bleiben, brauchen wir uns gegenseitig. Da ist die Schwester, die mich unterstützt, aufrichtet und ermutigt, die aber auch meine Hilfe nötig hat, und die mich durch ihre Andersartigkeit herausfordert und bereichert.

Wenn auch nicht sichtbar, so machen wir uns doch so gestärkt miteinander – d.h. in dem gleichen Geist auf zu denen, die uns brauchen – zu den Kranken, den Alten, den Kindern und Verlassenen. Wir schauen nicht auf die Konfession, die ethnische Zugehörigkeit oder Überzeugung. Wir versuchen immer denen unsere Hilfe zukommen zu lassen, die es am meisten brauchen. Das ist gar nicht einfach herauszufinden. Und sicher gibt es hier unterschiedliche Meinungen, Unverständnis und auch Fehler unsererseits. Es ist und bleibt eine Suche.

Unser Leben der Hingabe in Gebet, in Gemeinschaft und im Dienen an den Armen bleibt stümperhaft und unvollkommen, aber es ist ausgerichtet auf die Liebe.

Ich danke Ihnen, dass Sie mit mir den Ausflug in die klösterliche Welt gemacht haben. Vielleicht ist ihnen Manches etwas verständlicher geworden. Vielleicht waren auch Anregungen für ihr Leben mit Gott und den Menschen dabei.

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