„In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
du hast mich erlöst, Herr, du Gott der Treue.“
 

 

friedhofskreuz salzkotten

 

 

Am 18. November 2029 wurde in Salzkotten

unsere liebe Mitschwester
 
 

Schwester M. Michaele

 

von der Heiligen Dreifaltigkeit
geb. Maria Magdalena Weckwerth
 

heimgerufen in das ewige Leben.

 

 

Zum Heimgang von Schwester M. Michaele Weckwerth

„ In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
Du hast mich erlöst, Herr, du Gott der Treue.“ Psalm 31,6

Dieses Psalmwort, das dem Totenbrief vorangestellt ist, könnte die Überschrift zum Leben und Wirken von Schw. M. Michaele sein. In diesem Glauben haben wir sie erfahren, in diesem Gottvertrauen lebte sie und setzte sich für die Menschen ein, die ihr anvertraut waren. Und das viele Jahrzehnte. Auf ein langes Leben mit unserer Mitschwester Michaele dürfen wir dankbar zurückschauen. So wie sie selbst ein sehr dankbarer Mensch war, dankbar für jede Kleinigkeit, für jedes liebe Wort, das ihr zugesprochen wurde, vor allem in den langen Jahren ihrer schweren Erkrankung, die sie so fraglos annahm und meisterte. Wirklich eine starke Frau, froh, friedvoll, versöhnt, so hörte ich es aus den Gesprächen heraus, die ich in den vergangenen Tagen führte, so habe ich sie selbst über viele Jahre erfahren dürfen.

Kennen lernen durfte ich sie persönlich schon vor meinem Ordenseintritt als 16 Jährige in Mechernich. Wir Schülerinnen in der Krankenpflegeausbildung liebten Schw. M. Michaele, sie war gradlinig und direkt, handfest und praktisch, zugleich den Kranken und den Mitarbeiterinnen in Liebe zugetan, wach und einfühlsam. Das Herz am richtigen Fleck, wie wir es treffend ausdrücken, nahm sie Not und Sorge wahr und wusste zu handeln, fand Lösungen. Auf die Nachricht ihres Todes hin schrieb mir eine Mitschwester: „Ich schließe sie fest in mein Gebet ein. Sie hat meiner Familie so viel Gutes getan.“ Als ich interessiert nachfragte, erzählte sie mir, dass ihre Familie in der damaligen DDR lebend, sehr bedürftig war. Schw. M. Michaele hörte davon und half spontan, wo sie helfen konnte – und das über viele Jahre hinweg – sehr selbstverständlich und still, ideenreich leistete sie große Hilfe. Das könne ihre Familie nie vergessen.

Schauen wir kurz auf ihren Lebensweg.

Maria Magdalena wurde am 7. Mai 1924 in Harmelsdorf / Pommern geboren, Kreis Deutsch-Krone, der Diözese Berlin zugehörig. Ihr Vater war Eisenbahner. Aus ihrem Lebenslauf geht hervor, dass sie zwei ältere Brüder und zwei jüngere Schwestern hatte, in der Mitte die Zwillinge, sie und ihre Zwillingsschwester, die jedoch wenige Tage nach der Geburt verstarb. Die Kriegsjahre brachten, wie so oft, viel Leid in diese Familie. Der älteste Bruder fiel 1943 in Russland, der zweite starb 1944 an den Folgen eines Herzleidens. Ihre Kinder- und Jugendzeit verlebte Maria Magdalena in Kallies in Pommern, da ihr Vater dorthin versetzt worden war. Dort besuchte sie acht Jahre die Volksschule und erlernte mit 15 Jahren die kaufmännische Lehre in einem Textilbetrieb. Nach 2 ½ Jahren Lehrzeit bestand sie mit Erfolg ihre Gesellenprüfung und blieb ein ¾ Jahr weiterhin im Betrieb. Dann wurde sie „in einen kriegswirtschaftlichen Betrieb“ verpflichtet, schreibt sie. Um diese Zeit muss sie 18 Jahre gewesen sein. Zwei oder drei Jahre später erhielt die ganze Familie am 7. Februar 1945 den Befehl der Wehrmacht, die Heimat zu verlassen. Der Fluchtweg führte die Familie nach Dänemark, wo sie bis Januar 1947 bleiben mussten. Allerdings wurde der Vater bereits Ende 1945 zur Dienstleistung nach Deutschland bestimmt und in Hamm eingesetzt. Erst im Januar 1947 durfte die Familie folgen. Flucht – nüchtern anhand der Fakten erzählt, was mag an Erfahrungen ungesagt dahinter stehen? Wir können die furchtbaren Erfahrungen nur ahnen, über die fast nie gesprochen wurde. Auch Schw. M. Michaele muss Schreckliches erlebt haben, das deutete mir eine Mitschwester an, aber selbst erzählt hat sie es nicht. Heute werden uns Fluchtgeschichten in ihrer Dramatik durch die Medien vor Augen gestellt, wir können nicht mehr wirklich wegschauen oder uns distanzieren. In Hamm angekommen, hat sich Maria Magdalena sehr bald der Pfarrei angeschlossen und sich aktiv in der katholischen Jugend engagiert. Das bezeugt auch der Pfarrer dieser Gemeinde. Später teilt sie selbst mit, dass schon 1948 in ihr der Wunsch reifte, das Ordensleben zu ergreifen. Nach reiflicher Überlegung und Rücksprache mit ihrem Beichtvater, schreibt sie, wagte sie im Januar 1949 um die Aufnahme in unsere Gemeinschaft zu bitten. Am 24. August 1949 trat sie in unsere Gemeinschaft ein. Bei ihrer Aufnahme in das Noviziat, am 19. November 1950, erhielt sie den Namen Schw. M. Michaele „von der hl. Dreifaltigkeit“. Am 19. November 1952 legte sie ihre zeitliche, 1955 ihre ewige Profess ab. Ihre medizinische und krankenpflegerische Begabung müssen ihre Obern gleich erkannt haben, denn schon nach ihrem ersten Noviziatsjahr wurde sie im Labor eingesetzt und durfte 1952 nach ihrer ersten Profess gleich mit der Ausbildung zur Krankenpflege in Lütgendortmund beginnen. Ihr Examen bestand sie im März 1955 mit „sehr gut“ und arbeitete anschließend zunächst 6 Jahre im Labor in unserem ordenseigenen KH in Birkesdorf, Kreis Düren. Von dort wurde sie in das Kreiskrankenhaus Mechernich versetzt, wo sie ab da in der Krankenpflege tätig war und ich sie während meiner Ausbildungszeit kennen lernen durfte. 11 Jahre war sie dort tätig, anschließend weitere 9 Jahre in Hagen Boele. Von 1981 – 2004 wirkte sie in der Altenpflege in unserer Einrichtung Mariahilf in Marialinden. Da ihre Kräfte nach all den Jahren ihrer krankenpflegerischen Tätigkeit stark nachließen, wechselte sie selbst in den Wohnbereich unseres Altenheims St. Clara, doch schon nach einem Jahr war sie zunehmend auf Pflege angewiesen. Trotz ihrer schweren Erkrankung, auch ihrer Unterschenkelamputation, die ihr das Leben sehr erschwerte, blieb sie über viele Jahre weitgehend selbstständig und vor allem stets zufrieden. Oft trafen wir sie betend an.

„ In deine Hände lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
Du hast mich erlöst, Herr, du Gott der Treue.“ Psalm 31,6

Ja, trotz allem Leid, das sie früh und in den vielen Jahren ihrer Krankheit zu tragen hatte, war sie von dieser Glaubensaussage überzeugt: Du hast mich erlöst, Herr, du Gott der Treue. Gott ist ein Gott der Treue, aber auch Schw. M. Michaele ist uns ein Zeugnis dieser Treue und Verlässlichkeit durch 70 Jahre ihres Ordenslebens.

In Dankbarkeit nehmen wir Abschied, wissend um eine bleibende Verbundenheit über den Tod hinaus. Wir werden Schw. M. Michaele in Erinnerung behalten.

Schwester M. Angela Benoit

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