„Als der Morgen dämmerte,
stand Jesus am Ufer.“ (Joh 21,4)
 
 
friedhofskreuz salzkotten
 
 
 
Am 13. Januar 2020 wurde in Salzkotten
unsere liebe Mitschwester

 

Schwester M. Sighild

 

von der Mutter vom guten Rat
geb. Sibilla Liebertz

heimgerufen ins ewige Leben.

 
 
 
 

Zum Heimgang von Schw. M. Sighild Liebertz

 

„Als der Morgen dämmerte, stand Jesus am Ufer.“ Joh 21,4

SR Sighild deEine Wirklichkeit am frühen Morgen des 13. Januars, die uns, die wir um Schw. M. Sighild versammelt waren, ganz still werden ließ. Wir spürten, Mitarbeiterinnen wie Schwestern, wir hatten Mühe, es zu realisieren. Schw. M. Sighild, die tags zuvor munter war wie alle Tage, ihren großen, fast täglichen Rundweg noch abends erstaunlich kraftvoll alleine gemeistert hatte, war in den frühen Morgenstunden im Schlaf heimgeholt, erlöst worden.

Seit 2011 lebte Schw. M. Sighild in unserem Altenheim St. Clara, zuletzt im Wohnbereich Michael. Sie war dort sehr präsent. Auch in ihrer schweren dementiellen Erkrankung war und blieb Schw. M. Sighild eine Person, die mit ihrem Handeln, Sorgen und liebevollen Umgehen mit anderen Mitbewohnern allen ans Herz gewachsen war. Oft durften wir beobachten, wie sie die sorgende und behutsame, zugewandte Säuglingsschwester war und blieb. Zutiefst hatte dies ihr Leben ausgemacht und geprägt. Das war ihre Mission, still und bescheiden. Große Worte liegen mir nicht, sagte sie mir einmal in einem Gespräch. Innig liebte sie die Kleinsten und war für sie buchstäblich Tag und Nacht da. Fast ausschließlich arbeitete sie mit all ihrem Können, Wissen, mit ihren Lebenserfahrungen für die zu früh geborenen Säuglinge und das zu einer Zeit, wo diese je nach Gewicht oftmals kaum eine Überlebenschance hatten.

Wenn wir auf ihren aktiven Dienst in der Kinderklinik, ihr Lebenswerk schauen, möchte ich eine Mitarbeiterin zu Wort kommen lassen, die sie so treffend beschrieb, wie wir sie alle kennen. Jahrzehnte hat sie mit ihr zusammen gearbeitet und sie spricht aus, wie alle Mitarbeitenden sie erfahren haben:

„Die Frühgeborenen waren ihr Leben von früh bis spät, sagt sie. Sehr kompetent und immer darauf bedacht, sich selbst fortzubilden und dieses Wissen und alle Erfahrungen an uns Mitarbeiterinnen weiter zu geben. Sie war nicht nur liebevoll und einsatzbereit Tag und Nacht für die Säuglinge, sie war auch für uns immer da, und sie war die Ruhe in Person. An Sonn- und Feiertagen war es für sie selbstverständlich, uns in aller Früh in unserer Arbeit zu unterstützen. In diesen vielen Jahren übernahm sie zudem täglich die Nachtbereitschaft. Bei jeder schwierigen Geburtssituation war sie anwesend, oftmals mussten nachts gefährdete Säuglinge aus anderen Kliniken geholt oder in größere Kliniken verlegt werden, mit Krankenwagen, oft auch mit dem Hubschrauber. Selbst nach solchen Einsätzen war sie morgens wie gewohnt zur Stelle. Wir können uns nicht erinnern, dass sie in all den Jahren der guten Zusammenarbeit je erkrankt war. Drohte ein Säugling zu sterben, erlebten wir Schw. M. Sighild besonders einfühlsam. Ehrfürchtig taufte sie das Kind, begleitete Angehörige und uns Mitarbeiterinnen, versorgte würdevoll das verstorbene Kind mit Kleidung und Blumen. Das war für uns berührend. Sie ist es, die uns in unseren Einstellungen wesentlich geprägt hat. Wer sie gekannt hat, hat sie geliebt.“

Schw. M. Sighild, Sibilla Liebertz, Tochter der Eheleute Hubert und Maria Liebertz, geb. Kloster, wurde am 15. April 1929 in Strempt, Kreis Schleiden, geboren. Acht Jahre besuchte sie die kath. Volksschule, aus der sie 1943 entlassen wurde. Zunächst blieb sie im elterlichen Haus, arbeitete ab Juli 1945 im Kreuserstift in Mechernich. Hier lernte sie unsere Schwesterngemeinschaft kennen, dort auch reifte in ihr der Wunsch, selbst Ordensschwester zu werden. Am 5. August 1952 wird sie in die Gemeinschaft aufgenommen. Der damalige Pfarrer beschreibt sie, wie sie uns vertraut ist: „Sie zeichnet sich aus durch ein einfaches, äußerst bescheidenes Wesen und eine ungewöhnliche Hilfsbereitschaft, verbunden mit stets freundlichem Entgegenkommen. Ich kann sie sehr empfehlen.“ (Pfarrer J. Kohr)

Am 19. Mai 1953 wird sie in das Noviziat aufgenommen und erhält den Ordensnamen: Schw. M. Sighild „von der Mutter vom guten Rat“. Am 19. Mai 1955 legt sie ihre zeitliche, am 19. Mai 1958 ihre ewige Profess ab.

Nach dem ersten Noviziatsjahr erlernt Schw. M. Sighild 1954 im Marienkrankenhaus Birkesdorf die Krankenpflege, im Frühjahr 1956 beginnt sie direkt im Anschluss die Kinderkrankenpflegeausbildung im St. Nikolaus-Kinderkrankenhaus in Viersen, die sie im Februar 1958 mit einem guten Examen beendet.

1966 wird sie in die Kinderabteilung des Marienkrankenhauses Birkesdorf versetzt. Zunächst noch im alten Haus übernimmt sie die Verantwortung für die erkrankten Säuglinge. Als 1972 die neuerbaute Kinderklinik eröffnet werden kann, leitet sie bis 1997 die Intensivstation für die Frühgeborenen, 25 Jahre. Schw. M. Sighild, so hören wir die Mitarbeiterinnen, war in ihrer Person für uns eine feste Institution.

Im Anschluss an diese sehr verantwortungsvolle und herausfordernde Aufgabe arbeitete sie, zusammen mit Schw. M. Monika, in der Krankenhausbibliothek bis 2002, wo wir Franziskanerinnen unser Marienkrankenhaus an die CTW der Diözese Aachen weitergaben. Auch in dieser Aufgabe war sie auffallend beliebt und im Zuhören begabt, heißt es. Stets hatte sie ein offenes Ohr für die Nöte und Wünsche der Patienten und nahm sich viel Zeit.

Bis 2008 blieb S. Sighild in Birkesdorf und sorgte für das Refektor der kleinen verbliebenen Kommunität. Dann wechselte sie zum Mutterhaus, übernahm noch weitere zwei Jahre stundenweise die Sorge für die Bibliothek des Josefskrankenhauses, bis ihre Kräfte erschöpft waren und sie selbst 2011 der pflegerischen Unterstützung bedurfte.

Sehr dankbar sind wir Schwestern für ihr Lebens- und Glaubensbeispiel. Mit den Worten ihres Heimatpfarrers vor ihrem Eintritt, für „… ein einfaches, äußerst bescheidenes Wesen, für ihre ungewöhnliche Hilfsbereitschaft, verbunden mit stets freundlichem Entgegenkommen“.

Danken wir Gott in dieser Eucharistiefeier und bleibend für das Geschenk ihrer Berufung.

Mit dem auf sie zutreffenden Gebet zu den Lesungstexten an ihrem Sterbetag möchte ich schließen:

Zu bleiben, Gott, und standzuhalten. Wie groß ist das, was du uns zutraust. Lass uns darin wachsen, zu dir hin, der du uns selbst rufst und gesalbt hast.

„Als der Morgen dämmerte, stand Jesus am Ufer.“ Joh 21,4

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