„Der Herr hat kundgemacht sein Heil.“
Aus dem Stundengebet der Weihnachtszeit
 
 
friedhofskreuz salzkottenAm 30. Dezember 2018 wurde in Salzkotten
unsere liebe Mitschwester

 

Schwester M. Gertrud
von der allerheiligsten Dreifaltigkeit
 
geb. Margarete Windbergs
heimgerufen ins ewige Leben.
 
 

Zum Heimgang von Schw. M. Gertrud Windbergs

Der Herr hat kundgemacht sein Heil.“
Aus dem Stundengebet der Weihnachtszeit

Auffallend innerlich wach erlebten wir Schw. M. Gertrud in den Weihnachtstagen. Umso überraschender kam für uns - trotz ihrer langen Erkrankung – ihr stilles sich Verabschieden um die Mittagszeit am 30. Dezember 2018. Fast unmerklich, leise gab sie ihr Leben in die Hände Gottes zurück.

„Der Herr hat kundgemacht sein Heil“, wer bei ihrem Abschied anwesend war, durfte genau das erleben, Schw. Gertrud war angekommen, aufgenommen im Heil.

Schw. M. Gertrud, geb. Margareta Johanna Maria Windbergs, wurde am 4. März 1932 in St. Hubert im Kreis Kempen-Krefeld in eine bäuerliche Großfamilie geboren. Sie war das 10. von insgesamt 12 Kindern der Familie. Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie bot vielen Kindern Raum und die Mutter muss eine gütige Frau mit einem großen Herzen gewesen sein, die nicht nur ihren Kindern Beheimatung schenkte. In den Kriegsjahren nahm sie zu dieser großen Schar noch vier Waisenkinder auf, die wie selbstverständlich dazu gehörten und umsorgt wurden. Schw. M. Gertrud erwähnt dies in ihrem Brief an die Ordensleitung, als sie um Aufnahme in die Gemeinschaft bittet. Nach den ersten 5 Volksschuljahren und weiteren 4 Jahren auf der Mädchen Oberschule bis 1947 arbeitete Schw. M. Gertrud im elterlichen Betrieb, unterstützte ihre Mutter bis 1955 in der Betreuung ihrer zwei jüngeren Geschwister und dieser vier Waisenkinder. Zwischenzeitlich durfte sie für ein Jahr unsere Landfrauenschule in Arnoldsweiler besuchen, wodurch sie der Mutter noch mehr zur Hand gehen konnte. Sicher reifte in dieser Zeit ihre Ordensberufung, auch war eine ihrer älteren Schwestern bereits in eine Ordensgemeinschaft eingetreten.

Im März 1955 wurde sie in unsere Gemeinschaft aufgenommen und im November des gleichen Jahres in das Noviziat. Sie erhielt den Ordensnamen Schw. M. Gertrud „von der heiligsten Dreifaltigkeit“. Im November 1957 legte sie ihre zeitlichen, im November 1960 ihre ewigen Gelübde ab. Schw. M. Gertrud war angekommen und glücklich auf ihrem Weg. Ihr intensiver Lernort Familie war sicher für die Ordensleitung Anlass, sie gleich nach dem ersten Noviziatsjahr in verschiedene Praktika zu schicken, ein Jahr in der Betreuung körperbehinderter Kinder in Maria Veen, ein Jahr im Kindergarten in Birkesdorf. Eine gute Vorbereitung, um dann noch vor Ablegen ihrer ewigen Profess in Freiburg die Ausbildung zur Kindergärtnerin zu absolvieren. Nach ihrem Examen wirkte sie in diesem Beruf, den sie sehr liebte, 15 Jahre erneut in Maria Veen bei den körperbehinderten Kindern. 1975 wurde ihr das Amt der Oberin anvertraut. In diesem Dienst an der Gemeinschaft und zugleich Leiterin einer Einrichtung war sie für zwei Jahre im Müttererholungsheim in Bad Meinberg, sieben Jahre im Josefsheim in Bigge wieder bei Körperbehinderten Kindern und Erwachsenen, ein Jahr im Kinderheim in Mönchengladbach und vier Jahre in Lipperode tätig. Zuletzt leitete sie, nach einer entsprechenden Fortbildung, 21 Jahre das Altenheim Marialinden und die Schwesternkommunität.

Im Blick auf ihr Wesen, ihre Person, möchte ich die Mitarbeiteninnen von Marialinden selbst zu Wort kommen lassen, die Schw. M. Gertrud sehr treffend beschreiben.

Liebe erzeugt Gegenliebe. Das Zeugnis, dass ihr ihre Mitarbeiterinnen ausstellten, charakterisiert und beschreibt das Wesen von Schw. M. Gertrud sehr treffend, und das nicht nur für die Zeit in Marialinden. Alle Zeugnisse und Aussagen zu ihrer Person im Laufe ihrer Einsätze drücken es ähnlich aus, viel Liebe und Geduld und ein großes pädagogisches Geschick werden ihr bescheinigt. Bei dem Abschied, den ihr ihre Mitarbeiterinnen in liebevoll bescherten, steht sie staunend und ungläubig vor einem Stein mit einer Gedenkplatte und einem Tulpenbaum, ihr zu Ehren im Vorgarten der Einrichtung gepflanzt und aufgestellt.

Auf dem Stein sind folgende Worte verewigt:

Zur Erinnerung an unsere liebe Schw. M. Gertrud,

die vom 23.10.1989 bis zum 31.03.2011

mit sehr viel Herz und Gütigkeit und Gottes Zuversicht

unsere Einrichtung als Einrichtungsleitung führte.

Die Mitarbeiterinnen der Einrichtung.

Das ist der Schlüssel zu ihrem Wesen. Damit nicht genug, stellten sie ihr ein Zeugnis aus.

In 9 Fächern geben sie ihr eine sehr gute Note, zum Teil mit Plus versehen:

Güte und Menschlichkeit:                        Rund um die Uhr-Einsatz! war immer für die Bewohner und uns da

Offenes Ohr                                           gute Zuhörerin, interessierte sich für die Themen der Mitarbeiter,
                                                               alles war bei ihr gut aufgehoben

Gestalten von Feiern                               Viele Feste u. Feiern wusste sie wunderbar zu gestalten,
                                                               im Formulieren von Texten zu allen Anlässen war sie groß

Zusammenarbeit                                      durch viel Freude u. gewinnbringende Gespräche geprägt

Hilfsbereitschaft                                    jederzeit

Freundlichkeit                                         das Herz am richtigen Fleck

Belastbarkeit                                           Neubau, Umbau, Renovierung – unermüdlich im Einsatz bis zur Erschöpfung!

Spontaneität                                            gerne arbeitete S. Gertrud auf die letzte Minute!

Weniger gut wird sie benotet im Durchsetzungsvermögen. Und die Mitarbeiter geben zu, dass sie dies auch hier und da zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Richtig schlecht wird sie beurteilt im Nein sagen.

Wer erkennt da nicht unsere Schw. M. Gertrud wieder?

Wie dankbar schauen wir Schwestern auf ihr Leben und Wirken in unserer Gemeinschaft! In jeder Kommunität war sie beliebt, jeder Schwester zugetan, ausgleichend, versöhnend, einsatzfreudig. So war Schw. M. Gertrud und sie konnte nicht anders sein, nicht als Mitschwester, nicht als leitende Kraft einer Einrichtung. In ihrem Leben hat sie viel empfangen, reichlich teilte sie aus.

Der Herr hat kundgemacht sein Heil!

Ja, in ihr kam uns viel von diesem Heil Gottes entgegen, dafür sind wir Schw. M. Gertrud sehr dankbar. Gott hat ihre Liebe und Hingabe angenommen und vollendet. In diesem Vertrauen und in dieser Gewissheit feiern wir nun die Eucharistie und sagen Gott Dank für ihr Lebensbeispiel, für ihre wunderbare und kraftvolle Berufung.

Der Herr hat uns kundgemacht sein Heil!

Schw. M. Angela Benoit

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