„Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort“
Psalm 130,5

friedhofskreuz salzkotten

 

 

 Am 1. Februar 2018 wurde in Salzkotten

unsere liebe Mitschwester

Schwester M. Monika

vom hl. Herzen Jesu
geb. Edith Reichelt

heimgerufen ins ewige Leben.

 

 

 

 

Zum Heimgang von Schw. M. Monika Reichelt

„Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.“ Psalm 130,5

Dieser Vers aus dem Psalm 130 kam uns zu Schw. M. Monika unmittelbar in den Sinn. Er gehört zum persönlichen Abschied unserer Mitschwester. Voll Vertrauen und Zuversicht wartete sie in den letzten zwei Wochen darauf, dass Gott sie zu sich ruft. Das hatte sie uns deutlich kundgetan. Eines Morgens sagte sie zu mir, ich lege mich jetzt hin und schlafe hinüber, ich kann nicht mehr. Das weiß Gott und ich warte jetzt. Er wird mich abholen. Sie bedankte sich für alles und sagte, ich habe das Meine getan. Und was ich nicht so gut gemacht habe, er wird schon wissen, wie er es vollendet. Das macht er rund. Er wird mich jetzt holen. Gott respektierte wohl ihre Entscheidung oder ihr inneres Wissen um den bevorstehenden Hinübergang und erfüllte ihren Wunsch. Still und leise schlief sie hinüber am Abend des 1. Februar 2018 nach einem erfüllten Leben.

Ihr letztes Lebensjahr 2017 war ein volles Jahr. Sie feierte ihr 70 jähriges Ordensjubiläum und wurde Anfang November 100 Jahre. Anlässlich dieser Festtage gab es für uns und ihre Angehörigen so manche Gelegenheit, von ihrem so besonderen Lebensweg zu hören. Ein volles Jahrhundert mit all seinen Entwicklungen, gravierenden Veränderungen, Erschütterungen durch Krieg und Vertreibung, umfasst ihr Leben. Gerne erinnern wir uns an ihr lebendiges Erzählen, an ihre so wertvollen mit uns geteilten Erfahrungen.

Schw. M. Monika war eine besondere Frau und sie blieb es bis zu ihrem Abschied. Selbstbestimmt, höflich und würdevoll, stets dankbar, voll freudiger Energie und Liebe, so haben wir sie vor Augen.

Am 2. Nov. 1917 wurde Schw. M. Monika als Edith, Alice Reichelt in Breslau, als zweite Tochter des evangelischen Tischlermeisters Karl Reichelt und seiner katholischen Frau Alice geboren. 1924 kam sie in die kath. Volksschule in Kamenz und besuchte anschließend weitere drei Jahre bis 1933 die Oberschule, wie sie in ihrem Lebenslauf schreibt.Da sie keinen Bruder hatte, entschied sie sich, das Tischlerhandwerk zu erlernen, um im väterlichen Betrieb mitarbeiten zu können. Der Vater erlaubte es ihr, nicht ohne sie streng darauf aufmerksam zu machen, dass er keinerlei Ausnahmen dulde, nur weil sie eine Frau sei. Eine Ausnahme gab es doch. Da es ihr als Frau nicht erlaubt war, mit den Gesellenlehrlingen die Schule zu besuchen, suchte der Vater für sie in der nahen Stadt einen Privatlehrer. Ihre Gesellenprüfung bestand sie nach den 3 ½ Jahren ihrer Lehre im Dezember 1936 mit gut und arbeitete bis 1938 im väterlichen Betrieb. Der Vater starb bereits 1939 und der Betrieb musste aufgegeben werden. Schw. M. Monika besuchte die Krankenpflegeschule in Breslau. Zuvor hatte sie 1938 die Aufnahmebedingungen zu erfüllen, ein halbes Jahr Tätigkeit im Haushalt und eine Prüfung, um das Einjährige zu erlangen. Im Dezember 1940 legte sie bereits ihr staatliches Krankenpflegeexamen ab und erlernte anschließend mit Erfolg in Berlin die Säuglingspflege. Zurück in ihrer Heimat, arbeitete sie dort im Krankenhaus bis zur gewaltsamen Vertreibung 1946. Ein Arzt dieses Krankenhauses in Kamenz, Schlesien, stellte ihr später ein Zeugnis aus und bescheinigte ihr u.a. die absolvierten Staatsexamen, da ihr alle Papiere bei der Flucht entwendet wurden. Dieser Arzt lobt ihre Beliebtheit bei den Kleinen, den Mitschwestern und Ärzten, hebt ihr rasches Einfühlungsvermögen hervor, ihre Improvisationsfähigkeit, und wie sie durch ihr Wissen und Können die ärztliche Arbeit aufs Beste unterstützt habe. Ihr zwangsweiser Weggang sei ein schwerer Verlust einer wertvollen und nicht zu unterschätzenden Arbeitskraft. Jedem Kollegen, der auf gute Arbeit wert legt, kann ich sie empfehlen.

Im Juli 1946 kam sie in das St. Vitusstift in Visbek und lernte dort im Krankenhaus unsere Schwestern kennen. Sehr bald offenbarte sie der Hausoberin ihren Wunsch, seit ihrem 16. Lebensjahr Ordensschwester werden zu wollen. Die Mutter verweigere es ihr jedoch in all den Jahren. Und auch zu diesem Zeitpunkt wollte die Mutter kein Ja zu ihrer Entscheidung finden. Die Schwestern unterstützten sie in ihrem Vorhaben. Am 11. März 1947 trat sie in unsere Gemeinschaft ohne die Einwilligung der Mutter ein, wurde am 19. November des Jahres in das Noviziat aufgenommen und erhielt den Namen Schwester Maria Monika vom hl. Herzen Jesu. Am 19. Nov. 1949 legte sie ihre Zeitliche Profess und am 19. Nov. 1952 ihre Ewige Profess ab.

Seit November 1948 arbeitete sie als Kinderkrankenschwester im Marienhospital Birkesdorf, von 1950 – 1963 in Iserlohn, dann wieder in Birkesdorf.Überall war sie äußerst wertgeschätzt und beliebt, bei den Kindern, den Mitarbeiterinnen und Mitschwestern. Neben ihren fachlichen und menschlichen Qualitäten brachte sie sich auch auf vielfache Weise in das Kommunitätsleben ein. Hier war vor allem ihre musikalische Begabung ein Geschenk. Über viele Jahre spielte sie die Orgel und begleitete so die Gemeinschaft bei den Feiern der Liturgie. Etwa ab 1985 wechselte sie ihre Tätigkeit und übernahm die Verantwortung für die Krankenhausbibliothek. Sie verstand es ausgezeichnet, in Kontakt mit den Kranken zu sein, ihnen nicht nur gute Lektüre nahe zu bringen, sondern vielen war sie eine aufmerksame und stets liebevolle Zuhörerin und unermüdlich seelsorglich tätig.

Im Oktober 2002 kam Schw. M. Monika in das Mutterhaus zurück, als Bewohnerin in den Wohnbereich St. Clara. Aufmerksam, liebevoll und zugewandt erlebten wir sie auch hier den Mitarbeitenden und Mitschwestern gegenüber. Mit den ihr verbleibenden Kräften wusste sie sich einzubringen und unsere Gemeinschaft mit zu prägen. Das Spielen der Orgel blieb ein wesentlicher Beitrag, den sie treu im Marienheim über Jahre aufrechterhielt, bis es ihre Kräfte nicht mehr erlaubten. Schw. M. Monika war eine Beterin. In den letzten Jahren hatte sie einen festen Platz des Gebetes bei gutem Wetter im Garten. Fast täglich traf man sie dort bei dem alten Kreuz im Gebet. Wir Schwestern sind sehr dankbar für ihr Lebens- und Glaubensbeispiel und danken Gott für das Geschenk ihrer besonderen Berufung.

Mit ihr glauben wir fest, dass sie hinübergeschlafen ist, dass sie bei Gott geborgen ist, dass er sein Wort ihrem festen Vertrauen entgegengebracht und ihr Leben gerundet, vollendet hat:

„Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.“ Psalm 130,5
 

 

Go to top