Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
  Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle.“
(Ps. 16,11)

 

friedhofskreuz salzkotten

Am 25. Januar 2017 wurde in Salzkotten

unsere liebe Mitschwester

 

Schwester M. Ludgeria

von der unbefleckten Empfängnis

geb. Maria Exner

heimgerufen in das ewige Leben.

 

 

Nachruf Schwester M. Ludgeria Exner                                   

„Jesus, dir leb ich, Jesus, dir sterb ich, Jesus, dein bin ich im Leben und im Tod.
Herr, sei mir gnädig, sei mir barmherzig, führ mich, o Jesus, in deine Seligkeit!“
 
Mit diesem Gebet, es kann auch gesungen werden, wurde Schw. M. Ludgeria in ihrem Sterben begleitet. Sie ist vom Tod hinübergegangen ins Leben, Jesus hat sie geführt in die Seligkeit.
So heißt es auch im Psalm 16,11: Gott hat ihr den Pfad zum Leben gezeigt, und sie erfährt nun die Freude in Fülle.
 
Wenn wir zuerst auf ihre Lebensdaten schauen, dann wurde Schw. M. Ludgeria als Maria Exner am 28. August 1924 in Scheibe, Kreis Glatz als erstes von acht Kindern geboren.
Die Eltern besaßen und bewirtschafteten einen großen Bauernhof. Hier wuchs sie mit ihren Geschwistern behütet auf.
Sie besuchte die achtjährige Volksschule in Glatz-Hassitz, aus der sie 1938 entlassen wurde. Anschließend absolvierte sie eine zweijährige Ausbildung in „Ländlicher Hausar-beitsführung“, die sie 1940 mit einem guten Zeugnis abschloss.
Im Winterhalbjahr 1940/1941 besuchte sie die Landwirtschaftsschule in der Mädchen-abteilung. Hier erwarb sie sich viele Kenntnisse im Handarbeiten, im Kochen, in Hof- und Gartenarbeiten sowie in Kinder- und Familienpflege. Auch hier erhielt sie ein gutes Abschlusszeugnis.
Anschließend arbeitete sie mit auf dem elterlichen Hof, bis 1945 die russische Besatzung einmarschierte und Schlesien übernahm. Schon bald nach dem Zusammenbruch des Krieges marschierte die polnische Besatzung ein und enteignete die Bevölkerung, die des Landes vertrieben wurde, darunter auch die Familie Exner. Sechs Tage war sie unter-wegs, um im Westdeutschland eine neue Bleibe zu finden, die sie in Laer, Kreis Steinfurt, erhielt.
Der Vater bemühte sich schnell um eine Arbeitsstelle, die er auf einem Gutshof namens Schulte erhielt.
Schw. M. Ludgeria hat 15 Monate mit ihren Eltern auf dem Hof gearbeitet mit allen Aufgaben, die dort notwendig waren. Sie war zwischenzeitlich auf der Suche nach einer Arbeitsstelle.

Sie schreibt in ihrem Lebenslauf, dass sie diese im Benediktushof in Maria-Veen, einer Körperbehinderteneinrichtung, bekommen hat. Hier war sie 2,5 Jahre im Bügelzimmer und in der Waschküche tätig. Hier lebten und wirkten auch wir als Franziskanerinnen, denen Schw. M. Ludgeria begegnete und sie näher kennenlernte. Hier erfuhr sie ihre Berufung zum Ordensleben.

Sie bat um die Aufnahme in unsere Gemeinschaft, die sie zum 1.August 1950 erhielt. Die Einführung in das Ordensleben nahm ihren Lauf. Im Mai 1951 bekam sie das Ordenskleid, 1953 legte sie die zeitliche und 1956 die ewige Profess ab. Von 1952 bis 1958 hatte sie die Sorge für Wäsche in den Einrichtungen in Salzkotten, Hagen-Boele und Essen.
Zwei Jahre versorgte sie mit viel Liebe die Behinderten im Speisesaal im Josefsheim Bigge. Fast dreißig Jahre hatte sie den Refektordienst im Marienheim Salzkotten inne. Dann wurde eine Kraft für den Mutterhaus- und Marienheimgarten gebraucht und wer war dafür besser geeignet als Schw. M. Ludgeria mit ihren Fachkenntnissen von Haus und Hof.
In den Jahren bis 2003 hat sie in diesem großen Bereich nicht nur gearbeitet, sondern oft richtig gewühlt. Unter ihrem Einsatz hatte Unkraut keine Chance zu wachsen. Ob die Witterung kalt, warm oder extrem heiß war, Schw. M. Ludgeria war im Garten beschäftigt.
Liebevoll hegte und pflegte sie die Pflanzen, die Blumenbeete, die Blumen selbst, die Wege - rundum alles im Garten. Gern verschenkte sie Blumen an die Schwestern für ihre Zimmer.
Elf Jahre hat Schw. M. Ludgeria all ihre Kräfte eingesetzt und in der Natur gearbeitet.
79-jährig hatten ihre Kräfte nachgelassen, so dass sie die schwere Arbeit nicht mehr leisten konnte. Mit einer Herz- und Nierenerkrankung wechselte sie 2003 in den Wohnbereich St. Clara und 2006 in den Pflegebereich, da sie inzwischen eine ganzheitliche Betreuung brauchte.Viele ihrer Eigenschaften machten es den Pflegerinnen leicht in der pflegenden Sorge.
Ihr ganzes Leben war tief franziskanisch ausgerichtet, sie war in allem sehr bescheiden bis ins hohe Alter. Sie strahlte Zufriedenheit aus und sie war auch zufrieden, war an allem interessiert, solange es ihr geistig noch möglich war.
Gern las sie den „Glatzer Boten“. Man spürte ihre Heimatverbundenheit, die sie auch mit ihrer Familie teilte, indem beidseitig die Kontakte gepflegt wurden.
Ganz besonders und gern verehrte sie die Glatzer Muttergottes, die ihr steter Begleiter war.
Mit ihrer musischen Veranlagung sang sie gern Lieder, vor allem Marienlieder. Ganz wichtig war ihr das Gebet überhaupt, vor allem in Gemeinschaft.Sie muss wohl allzeit gern gehandarbeitet haben, denn bestimmte Handbewegungen ließen darauf schließen wie z. B. Sticken oder Nähen. In der Fragestellung, was sie tue, konnte sie oft sehr treffend antworten, worüber man schmunzeln musste. Immer hatte sie einen sehr offenen, freundlichen Blick.
So gäbe es noch einige Verhaltensweisen aufzuzeigen, die wir in guter Erinnerung behalten werden.
Schw. M. Ludgeria hat ihr Ziel erreicht, nach fast 93 Lebensjahren und 67 Jahren ihres Ordenslebens. Sie hat ihr Leben ausgehaucht, täglich wurde es weniger, und ist vom Tod hinüber gegangen ins ewige Leben. Wir Schwestern haben ihr viel zu verdanken, vor allem, dass sie unsere Mitschwester war und unser franziskanisches Leben mitgestaltet hat.
Gott möge ihr all das vergelten, was sie an Gutem getan hat, und ihr nun die ewige Freude schenken.

 

 

Go to top