Ich ließ meine Seele ruhig werden uns still.
Psalm 131,2a
 
 
Dankbar für alle Liebe und Sorge nehmen
wir Abschied von unserer Mitschwester
 
 

Sr Rathboda

 

Schwester M. Ratboda

von den heiligen fünf Wunden
geb. Carolina Josephina Triphaus
die heimgerufen wurde ins ewige Leben.
 

geb.: 21.07.1022 in Grafeld, Landkreis Osnabrück

gest.: 22.06.2021 in Salzkotten

 

 

 

Zum Heimgang von Schw. M. Ratboda Triphaus

 

„Ich ließ meine Seele ruhig werden und still.“              Psalm 131,21

Wir können uns, denke ich, sicherlich gut vorstellen, dass auch Schw. M. Ratboda diesen Satz des Psalmisten spricht: „Ich ließ meine Seele ruhig werden und still.“ Schw. M. Ratboda war eine ruhige Seele, eine gute Seele, ein guter Geist, wo sie auch wirkte, freundlich, ruhig und ausgleichend.

Carolina Josephina wurde am 21. Juli 1922 als Tochter des Landwirts Bernhard Triphaus und seiner Ehefrau Karolina geboren und wuchs als Jüngste mit sechs weiteren Geschwistern auf. Schon als Sechsjährige musste sie in einem Jahr den schmerzhaften Verlust beider Elternteile erfahren. Ihr Vater verunglückte am 28. Februar 1928 und ihre Mutter verstarb am 7. Juni des gleichen Jahres an den Folgen einer Operation. Wie schrecklich für ein Kind in diesem Alter! Doch es gibt immer Menschen, die helfend und stützend da sind und in besonderer Weise dieses junge Leben prägen. Hier war es ihr ältester Bruder und seine Frau, die alle Geschwister aufnahmen und ihnen ein sehr gutes Zuhause bereiteten und familiäre Geborgenheit schenkten, wie Schw. M. Ratboda sich selber stets dankbar erinnerte. Sicher hat sie diese erfahrene Liebe in ihrem Herzen bewahrt und sie selbst gelebt auf ihrem weiteren Lebensweg.

Carolina Josephina, sie wurde wohl immer Josephine genannt, besuchte acht Jahre die katholische Volksschule in Grafeld. Nach der Schulentlassung war sie zu Hause in Haus und Landwirtschaft tätig. Von November 1942 bis November 1943 erlernte sie im St. Annenstift in Twistringen die Küche. Fünf Jahre arbeitete sie zunächst wieder zu Hause, dann, ab dem 1. Juni 1948 als Stationshilfe im Elisabeth-Hospital in Iserlohn.In Twistringen und Iserlohn wird sie mit unseren Schwestern in Berührung gekommen sein, was sicher zu ihrer Entscheidung beigetragen hat, in unsere Gemeinschaft einzutreten. Sie schreibt, sie habe schon immer den Wunsch gehegt, Ordensfrau zu werden.

Am 2. Februar 1949 trat sie in unsere Gemeinschaft ein. Bei ihrer Einkleidung am 19. November 1949 erhielt sie den Namen Schw. M. Ratboda und den Titel: von den heiligen fünf Wunden. Sie legte am 19. November 1951 ihre zeitliche und am 19. November 1954 ihre ewige Profess ab. Im September 1953 schloss sie ihre Ausbildung in der Krankenpflege mit Erfolg ab. Ich kann mir vorstellen, dass sie sich immer liebevoll um kranke und pflegebedürftige Menschen gekümmert und sie umsorgt hat.Das tat sie in folgenden Filialen: Bigge, Castrop, Mechernich, Bad Lippspringe, Twistringen, Boele, Liboriushaus Paderborn.Ihr letzter aktiver Einsatzort war Beringhausen. Dort wirkte sie 20 Jahre. Ich habe mir erzählen lassen, dass Schw. M. Ratboda während ihrer Zeit im Franziskushaus in Beringhausen hauptsächlich und mit großer Liebe und Geduld für die Pflege und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner eines Wohnbereiches sorgte. Bei Bedarf übernahm sie auch Telefondienste an der Pforte. Außerdem arbeitete sie zwischendurch gerne im Garten, wo sie sich besonders um die Pflege eines Beetes mit Schnittblumen kümmerte. Sie hatte Freude an der Natur und nutzte z. b. einen Regenmesser, um die jeweilige Niederschlagsmenge feststellen zu können. Wie wir sehen, ging es immer um liebevolle Pflege und Betreuung – bei Menschen, bei den Blumen.

Auch zu ihrer Familie pflegte Schw. M. Ratboda eine enge Beziehung. Ihre älteste Schwester Rosa war öfter zu Gast in Beringhausen. Dass sie liebevoll von allen dort „Tante Rosa“ genannt wurde, spricht von einem herzlichen und vertrauten Verhältnis. Darüber kann man sich nur freuen! Alle, die sie kennen, bestätigen, dass Schw. M. Ratboda sehr gut zuhören konnte und sie alles ihr Anvertraute im Herzen behielt. Eine große Gabe! So erinnern sich alle gerne an Schw. M. Ratboda, gleich wo sie auch lebte und wirkte.

Wenn sie auch in den letzten Monaten hier in St. Clara nicht mehr aktiv war, so wirkte sie doch nach wie vor auf ihre Art und Weise sehr wertvoll. Dies bestätigt jeder, der ihr begegnete oder sie unterstützte. Sie liebte Spiele und hat sich regelmäßig mit Schw. M. Bertwinda zu diesem geselligen Zeitvertreib getroffen. Zugleich war es für sie ein bewusstes und wertvolles Training für Körper und Geist, was sie des Öfteren erwähnte. Gerne nahm sie an dem Programm „Ferien ohne Koffer“ teil und ihr verschmitztes Lächeln verriet, dass sie sich sichtlich wohl fühlte. In der letzten Zeit ließen ihre Kräfte zusehends nach. Doch auch in dieser Phase war jeder Besuch, jede Begegnung mit ihr ein Geschenk, bis zum Schluss. Obwohl durch einen Schlaganfall vor geraumer Zeit ihr Sprachvermögen verlangsamt war, gelang mit etwas Ruhe und Zeit immer wieder ein wertvoller Austausch. Diese Erfahrung durfte ich selber einige Male machen.

Wir danken Schw. M. Ratboda von Herzen für ihr bescheidenes, vorbildliches Da-Sein, das stets den Psalmvers bestätigte:

„Ich ließ meine Seele ruhig werden und still.“ 

Schwester M. Birgit Henning